Welche Schutzfaktoren gibt es?

Resilienz - Das Immunsystem der Seele

Emmy Werner und ihr Team beobachteten bestimmte Fähigkeiten, Haltungen und Eigenschaften bei diesen Kindern, die merkbar ausgeprägt waren. So ließen sich aus dieser Studie und den sich ihr anschließenden Studien der Resilienzforschung bestimmte Faktoren herausarbeiten, auf die diese Kinder zurückgreifen konnten, wenn das Leben sich herausfordernd zeigte. Aus diesen Erkenntnissen entstand das sogenannte Schutzfaktorenkonzept. Genau diese Schutzfaktoren gilt es zu stärken – in unserem eigenen Leben wie auch in dem Leben unserer Kinder.

 

Definiert wird der Begriff »Schutzfaktor« nach Rutter wie folgt: »Schutzfaktoren werden als Merkmale beschrieben, die das Auftreten einer psychischen Störung oder einer unangepassten Entwicklung verhindern oder abmildern sowie die Wahrscheinlichkeit einer positiven Entwicklung erhöhen.«

 

Demnach sind die Schutzfaktoren also so etwas wie die Vitamine und Mineralstoffe, die wir zu uns nehmen, wenn wir unser Immunsystem (der Seele) unterstützen wollen. Aus den Studien der Resilienzforschung gingen bestimmte Schutzfaktoren hervor, die, unabhängig von dem Kulturkreis und der Verschiedenheit der Stichproben, deckungsgleich waren. Diese Schutzfaktoren werden von verschiedenen Autoren unterschiedlich kategorisiert. Ich beziehe mich hierauf die Kategorisierung und Auflistung von Wust- mann, so wie bei Fröhlich-Gildhoff und Rönnau-Böse aufgeführt:

Kindbezogene Faktoren

  • positive Temperamentseigenschaften
  • intellektuelle Fähigkeiten
  • erstgeborenes Kind 


Resilienzfaktoren

  • Selbstwahrnehmung
  • Selbstwirksamkeit
  • Selbststeuerung
  • Soziale Kompetenz
  • Umgang mit Stress
  • Problemlösefähigkeiten 



Innerhalb der Familie

  • mindestens eine stabile Bezugsperson, die Vertrauen und Autonomie fördert
  • autoritativer/demokratischer Erziehungsstil
  • Zusammenhalt, Stabilität und konstruktive Kommunikation in 
der Familie
  • enge Geschwisterbindungen
  • altersangemessene Verpflichtungen des Kindes im Haushalt
  • hohes Bildungsniveau der Eltern
  • harmonische Paarbeziehung der Eltern
  • unterstützendes familiäres Netzwerk (Verwandtschaft, Freunde, Nachbarn)
  • hoher sozioökonomischer Status 


In den Bildungsinstitutionen
  • klare, transparente und konsistente Regeln und Strukturen
  • wertschätzendes Klima (Wärme, Respekt und Akzeptanz gegenüber dem Kind) 

  • hoher, angemessener Leistungsstandard
  • positive Verstärkung der Leistungen und
  • Anstrengungsbereitschaft des Kindes
  • positive Peerkontakte/positive Freundschaftsbeziehungen
  • Förderung von Basiskompetenzen (Resilienzfaktoren)
  • Zusammenarbeit mit dem Elternhaus und anderen sozialen Institutionen

Im weiteren sozialen Umfeld

Kompetente und fürsorgliche Erwachsene außerhalb der Familie, die Vertrauen fördern, Sicherheit vermitteln und als positive Rollenmodelle dienen (zum Beispiel Erzieherinnen, Lehrerinnen, Nachbarn). Selbstverständlich braucht es nicht all diese Elemente, um resilient auf eine herausfordernde Situation reagieren zu können. Grundsätzlich gilt: Je mehr dieser Faktoren deinem Kind zur Verfügung stehen, desto hilfreicher ist es für dessen Resilienzausbildung.

 



Wirklich wichtig ist es für uns und unsere Kinder, dass wir und sie die Erfahrung der Selbstwirksamkeit und Problemlösungsfähigkeit machen, wenn das Leben schwierig wird. Wir wollen erfahren, dass wir selbst einen Einfluss auf das haben können, was wir erleben und vor allem darauf, wie wir es erleben. Dabei hilft ein Zusammenspiel von einigen dieser Faktoren. Je mehr vorhanden sind, desto leichter kann es uns fallen, Herausforderungen und Krisen zu meistern. Der zentrale und wesentliche Schutzfaktor – das hat sich durch Forschung erwiesen – ist eine stabile, wertschätzende und emotional warme Beziehung zu einer (erwachsenen) Bezugsperson.

 

Eine Beziehung mit diesen Qualitäten trägt am stärksten zu einer gesunden Seele und Entwicklung des Kindes bei. Fröhlich-Gildhoff und Rönnau-Böse zitieren Sunyia Luthar sogar wie folgt: 

»Die erste große Botschaft ist:
 Resilienz beruht, grundlegend, auf Beziehungen.« 

Eine Erkenntnis, die für uns als Familie nicht wertvoller sein könnte…



Erfahre mehr über Resilienz im Familienkontext

Abonniere unseren Resilienzbrief und erhalte regelmäßige Impulse in dein E-Mail-Postfach
Kraft für deinen Familienalltag