Welche Merkmale hat Resilienz?

Die Besonderheit der Resilienzforschung liegt darin, das Augenmerk nicht etwa auf die krankmachenden Ursachen zu legen. Zwar wurden auch hier dieVulnerabilitätsfaktoren genau erörtert, doch daraus resultierte ein neuer Ansatz:

Die Resilienzforschung sucht gezielt nach den Umständen, Eigenschaften und Auslösern, die zu Gesundheit führen!

Die Erkenntnisse der Kauai-Studie gaben den Anstoß für viele weitere Studien, deren bekannteste die Mannheimer-Risikokinderstudie und die Bielefelder Invulnerabilitätsstudie sind. Aus der Summe all dieser Studien haben sich Faktoren ergeben, welche die Fähigkeit zur Resilienz entweder gefährden oder unterstützen können.

Heute können wir also auf ein breites Spektrum von Erkenntnissen schauen, die mir persönlich – sowohl als Pädagogin, vor allem aber auch als Mama – das Herz aufgehen lassen. Im folgenden gehe ich auf einige der erörterten Merkmale von Resilienz ein.

Resilienz ist ein dynamischer Prozess

Auch wenn unser Kind oder wir selbst schon einmal nicht resilient reagiert haben, muss sich das nicht weiter so in unserem Leben fortführen. Wenn du also an eine Situation in deinem Leben zurückdenkst, die schmerzhaft für dich war und unter der du noch immer leidest, dann heißt das nicht etwa, dass du generell nicht resilient reagieren kannst. Nur weil es uns in einer bestimmten Hinsicht nicht gelang, aus dem Leid herauszutreten, bedeutet dies nicht, dass wir es künftig auch nicht schaffen würden. Es spielt letztendlich immer eine Rolle, auf welche Ressourcen wir unter den herausfordern- den Bedingungen zugreifen können. Bei der Fähigkeit zur Resilienz kommt es auf das Zusammenspiel verschiedener Faktoren an. Einige äußere und einige innere Faktoren begünstigen oder schwächen die Resilienz eines Menschen. Daher ist es im Sinne der Resilienzförderung sehr empfehlenswert, so viele Schutzfaktoren wie möglich als eine Art Puffer aufzubauen.

Resilienz zeigt sich nach erfolgreicher Krisenbewältigung

Eine weitere Erkenntnis ist, dass sich erstin oder nacheiner Belastungssituation erweist, ob aktuell die Fähigkeit zur Resilienz gegeben ist bzw. war. Gegenwärtig gibt es keine Hinweise aus der Forschung, die darauf schließen lassen, dass man die Resilienzfähigkeit im Vorfeld testen könnte. Zu individuell sind die genetischen Faktoren, die kognitiven Fähigkeiten und Entwicklungsstände. Ein Resilienztest, welcher jedoch bestimmte Schutzfaktoren eines Menschen abfragt und abklärt, könnte durchaus dabei helfen, die Wahrscheinlichkeit der Resilienzfähigkeit eines Menschen zu erschliessen.

Resilienz als Immunsystem der Seele:Betrachten wir das, was wir also bisher gelernt haben, mit ein wenig Abstand, so stellen wir fest: Resilienz ist so etwas wie das Immunsystem unserer Seele. Belastungen wie chronischer Stress oder potenziell traumatische Erfahrungen physischer und psychischer Gewalt treffen auf den Menschen wie Krankheitserreger. Je nachdem wie gesund und gut gestärkt das Individuum ist, bekämpfen seine persönlichen Ressourcen diese Erreger, indem sie diese auffangen und entweder lösungsorientiert in das Leben integrieren oder sie ausleiten. Dieses kraftvolle Immunsystem der Seele können wir ähnlich stärken und unterstützen, wie das mit seinem körperlichen Pendant mit Vitaminen und Nährstoffen der Fall ist: Wir integrieren möglichst viele der erforschten Schutzfaktoren in besonderer Intensität in unser Leben und das unserer Kinder.

Resilienz ist trainierbar

Die wohl beeindruckendste Erkenntnis aus der Resilienzforschung ist, dass psychische Widerstandskraft erlernbar, ja sogar trainierbar ist: Wir alle können das Immunsystem unserer Seele und der Seelen unserer Kinder stärken! Unabhängig von unserem bisherigen Lebensweg ist es uns immer möglich, uns präventiv mit den wichtigen Schutzfaktoren zu befassen und sie liebevoll in unser Leben zu integrieren. Selbst dann, wenn dir bisher kaum genügend Ressourcen zur Verfügung standen, um dich selbst zu aufrecht zu halten, so bedeutet das nicht, dass du nie wirst Ressourcen aufbauen können.

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